Postersession 2

  • D. Dziekan, M. Müller, C. Roth, F. Sterz, C. Weiser
    P11 Evaluierung des GRACE Risk Score als Entscheidungshilfe zur Koronarangiografie bei Patienten ohne ST-Hebungen nach Herzkreislaufstillstand
    Notfallmedizin
    Zielsetzung: Um eine bessere Triage von Patienten ohne ST-Hebungen nach Herzkreislaufstillstand zur akuten Koronarangiografie zu ermöglichen wurde der GRACE-Risk-Score berechnet und mit den Ergebnissen der Koronarangiografie korreliert. Methoden: 1203 Patienten aus der Reanimationsdatenbank der Universitätsklinik für Notfallmedizin mit suszipierter kardiogener Genese aus dem Zeitraum 1. Jänner 2005 - 31. Dezember 2014 wurden retrospektiv analysiert. Aufnahme EKGs wurden auf Ischämiezeichen hin untersucht, der GRACE-Risk-Score berechnet und mit den Befunden von durchgeführten Koronarangiografien im Rahmen des Krankenhausaufenthaltes korreliert. Ergebnisse: Es konnten 341 Patienten ohne ST-Hebungen und erfolgter Koronarangiografie untersucht und in drei Gruppen eingeteilt werden: Koronarintervention nicht notwendig, perkutane Coronarintervention (PCI) durchgeführt und nicht intervenierbare Koronarstenose. Die nach GRACE-Risk-Score berechnete Wahrscheinlichkeit während des Spitalsaufenthaltes zu versterben unterscheidet sich signifikant mit einem mittleren Wert von 6,6% gegenüber 9,6% und 12,5% zwischen den korrelierten Gruppen. Es zeigte sich ebenfalls ein signifikanter Unterschied betreffend der Wahrscheinlichkeit nach 6 Monaten zu versterben mit 12,7%, 16,6% und 21,9%. Diskussion: Der optimale Zeitpunkt einer Koronarangiografie bei Patienten ohne ST-Hebungen nach Herzkreislaufstillstand ist nach wie vor ungeklärt. Unsere Daten zeigen jedoch, dass sich bei annähernd 70% der untersuchten Patienten eine signifikante Koronarläsion in der Angiografie zeigte und somit überhaupt die Notwendigkeit einer Risikostratifizierung bezüglich Zeitmanagement hinterfragt werden muss. Schlussfolgerung: Mithilfe des GRACE Risk Score steht eine weitere Unterstützung bei der Entscheidungsfindung zur akuten Koronarangiografie nach Herzkreislaufstillstand ohne ST-Hebungen zur Verfügung. Zur Überprüfung der klinischen Anwendbarkeit ist eine prospektive Studie mit höherer Fallzahl notwendig. Korrespondenz: Dr. med Christoph Weiser Universitätsklinik für Notfallmedizin, AKH Wien Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien
  • M. Hoffmann, H. Burgsteiner, P. Eller, K. Amrein
    P12 Entwicklung einer Webseite für Angehörige von kritisch kranken Intensivpatientinnen mit einer Usability-Testung
    Intensivmedizin
    Zielsetzung Entwicklung einer Webseite für Angehörige von Kritisch Kranken auf Basis einer vorangegangenen Erhebung (1) zu den Informationsbedürfnissen mit abschließender Usability-Testung. Hintergrund: Das ICU-Families Projekt hat drei Phasen. Die erste Phase war eine wissenschaftliche Erhebung mit dem Ziel, wichtige Themen für Angehörige von IntensivpatientInnen multidisziplinär zu erforschen (N=336). In der zweiten Phase wurde in Zusammenarbeit mit der FH Joanneum Graz eine Website auf Basis von Literaturrecherchen und Ergebnissen aus der ersten Forschungsphase erstellt und getestet. In der dritten Phase wird nun in einer randomisierten placebokontrollierten, multizentrischen Studie die Wirkung der Webseite auf Angehörige untersucht. Methode: Die Webseite, welche Bilder, schriftliche Erklärungen, 4 selbst produzierte Filme, ein Forum sowie eine Tagebuchfunktion enthält, wurde mit einem Usability-Test überprüft. Der Usability-Test wurde mit der “Think Aloud Methode” von Steve Krug (2013) durchgeführt. Insgesamt wurden 20 Personen getestet (10 Laien und 10 ExpertenInnen). Bei der Testung mussten die Laien unter Videobeobachtung verschiedene Szenarien zur Testung der Webseite durchführen (z.B. Informationen zum Thema Pneumonie finden, einen Eintrag in das online Tagebuch tätigen, Kontakt mit den BetreiberInnen der Seite aufnehmen etc.). Die ExpertInnen bekamen die Testaufgaben schriftlich und mussten zudem noch die Seite bewerten (z.B. Übersichtlichkeit, Weiterempfehlung an Angehörige etc.). Ergebnisse: Test-Outcome ist ein Video, in dem die Hauptprobleme der Plattform analysiert wurden. Kritikpunkte waren beispielsweise ein zu kleiner Betreiber-Kontakt-Link. Weiters wurden mehr Bilder gewünscht. Bei älteren Laien schien die Problemhäufigkeit erhöht zu sein. In der ExpertInnengruppe gab es kaum Schwierigkeiten bei der Lösung der Testaufgaben. Besonders positiv wurde das übersichtliche Layout, das Tagebuch für Angehörige und die kindgerechte Aufbereitung der Prozesse in der Intensivstation eingeschätzt. Die verwendeten Symbole wurden als passend bewertet. Mit einem Mittelwert von 9,1 (1 bis 10) wird die Website beinahe von allen ExpertInnen im vollen Umfang weiterempfohlen. Diskussion: Aufbauend auf den vorliegenden Erkenntnissen aus der aktuellen Testung werden Optimierungsschritte in die Wege geleitet, um die Website zu verbessern und um einen optimalen Ablauf der anstehenden randomisierten, kontrollierten und multizentrischen Studie (Graz, Wien, Bern) in Phase 3 zu gewährleisten, sowie eine mögliche spätere öffentliche Nutzung der Webseite sicher zu stellen. Literatur: Hoffmann M., Holl A.K., Burgsteiner H., Pieber TR., Eller P., Amrein K., 2016, Meet the needs: Important questions for ICU relatives, Korrespondenzadresse: Mag. Magdalena Hoffmann MSc, MBA Medizinische Universität Graz/ LKH- Univ. Klinikum Graz Auenbruggerplatz 1, 8036 Graz Tel.: 0660/9071981 E-Mail: magdalena.hoffmann@medunigraz.at
  • P. Brandstätter, M. Hoffmann, K. Amrein
    P13 Was wissen PatientInnen von Intensivmedizin- Eine Umfrage
    Intensivmedizin
    Zielsetzung: „Health Literacy“ beschreibt die Fähigkeit, mit medizinischen Fachinformationen umzugehen. In Österreich ist diese schlecht [1]. Die moderne Intensivmedizin benötigt enorme personelle und finanzielle Ressourcen. Dennoch ist die Erwartungshaltung von Laien an diese Form der Maximalmedizin unrealistisch, was die Zufriedenheit der PatientInnen und deren Familien stark beeinträchtigen kann. Im deutschsprachigen Raum sind bisher nur sehr wenige Untersuchungen zu diesem Thema publiziert [2], oft werden Vergleiche mit populären Fernsehserien gezogen [3]. Ziel dieser Arbeit ist es daher, Erkenntnisse zur Health Literacy von PatientInnen zum Thema Intensivmedizin zu gewinnen. Methode: Es wurde ein einfacher Fragebogen mit 20 Fragen erstellt, der Angaben zur Person und spezifische Fragen zum Thema Intensivmedizin erhebt, teils in offenen, teils in geschlossenen Fragen. Die Umfrage wird bei ambulanten und stationären PatientInnen in verschiedenen Ambulanzen und auf Stationen des LKH-Univ. Klinikums Graz durchgeführt. Ergebnisse und Diskussion: Die Umfrage läuft derzeit noch, wir präsentieren die vorhandenen vorläufigen Ergebnisse. Bisher wurden 32 Fragebögen ausgewertet. 14 (44%) der PatientInnen waren weiblich, 18 (56%) männlich. Der Altersdurchschnitt betrug 55 Jahre. 20 (63%) PatientInnen waren bereits als Besucher auf einer Intensivstation, 15 (47%) wurden bereits selbst auf einer Intensivstation behandelt. 17 (53%) der Befragten waren der Meinung, dass die Überlebensrate nach einer Wiederbelebung bei 50% liegt, 10 (31%) schätzten diese sogar auf 75%. Das Risiko für PatientInnen, auf einer Intensivstation eine nosokomiale Infektion zu bekommen, schätzten 13 (41%) PatientInnen auf 0,5%, 11 (34%) auf 5%. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer auf Intensivstationen schätzte die Mehrheit (63%) auf 5 Tage. Die Kosten, die pro PatientIn und pro Tag auf einer Intensivstation aufgewendet werden, schätzten 13 (41%) auf 1200 €, und ebenfalls 13 (41%) auf 3100 €. Schlussfolgerung: In dieser vorläufigen Auswertung konnten Fehleinschätzungen der PatientInnen detektiert werden, die möglicherweise deren Erwartungshaltungen und in weiterer Folge auch Zufriedenheit beeinflussen könnten. Da die Anzahl der bisher ausgewerteten Fragebögen noch gering ist, werden wir die Umfrage noch für einige Wochen fortführen, um fundiertere Aussagen treffen zu können. Literatur 1. Sørensen K, et al. Eur J Public Health. 2015 2. Quaglio G, et al. Health Promot Int. 2016 3. Portanova J, et al. Resuscitation 2015 Korrespondenzadresse: Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Karin Amrein, UKIM, Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie 8036 Graz, Auenbrugger Platz 15 karin.amrein@medunigraz.at
  • M. Lew, F. Eisner, TR. Pieber, K. Amrein
    P14 "Was wissen Laien von Intensivmedizin?"
    Intensivmedizin
    Hintergrund: Die meisten finanziellen und personellen Ressourcen im Spital werden auf der Intensivstation benötigt. Häufig ist jedoch die Erwartungshaltung, was diese Form der Maximalmedizin auch im Jahr 2017 an einem universitären Zentrum ausrichten kann, unrealistisch. So wurde bereits publiziert, dass die Prognose nach Wiederbelebung viel zu gut eingeschätzt wurde, da die meisten Menschen ihr Wissen zu Gesundheit und Krankheit aus unprofessionellen Quellen wie Fernsehserien und allgemeinen Internetrecherchen beziehen. Methode: Mittels einer persönlichen bzw. online durchgeführten Umfrage in Form eines zweiseitigen Fragebogens mit 11, teils offen gestellten Fragen wurden 145 weibliche und 93 männliche Personen (erwachsene medizinische Laien) im deutschsprachigen Raum zu intensivmedizinischen Themen befragt. Zum Schluss wurde noch erfasst, woher die Befragten ihre Informationen in Bezug auf medizinische Themen beziehen. In der statistischen Auswertung wurde zwischen Geschlecht, Altersgruppe, Bildungsgrad und Wohnsitz am Land (95 Personen) beziehungsweise in der Stadt (143) unterschieden. Ergebnisse: Als die häufigsten Diagnosen auf einer Intensivstation wurden vor allem Herz-Kreislauferkrankungen, im Speziellen der Herzinfarkt, aber auch Unfälle und Schlaganfälle genannt. Die durchschnittliche Überlebenswahrscheinlichkeit von einem Jahr nach einem Intensivstationsaufenthalt wurde von einer Mehrheit von 116 (48,9%) Befragten auf 85% geschätzt. 106 (44,5%) Personen vermuteten die Überlebensrate nach einer Reanimation bei 50%. Knapp ein Drittel ging sogar von einer noch höheren Überlebenschance aus. 111 (46,5%) der Probanden definierten die Sepsis richtig als Blutvergiftung. Annähernd alle Personen (233) wussten, dass es sich bei einem Defibrillator um ein Gerät zur Wiederbelebung handelt. Die drei am häufigsten genannten Informationsquellen waren Freunde und Familie, das Internet, sowie das Fernsehen. Es zeigten sich bei dieser Umfrage weder Unterschiede in Bezug auf Geschlecht, noch auf Alter, Bildungsstand und Wohnumfeld. Konklusion: Insgesamt sind mehrere Fehleinschätzungen von Laien feststellbar, welche im Krankheitsfall die subjektive Zufriedenheit wie aber auch die medizinische Realität beeinträchtigen könnten. Deshalb ist es wichtig in Zukunft vermehrt in die Aufklärung und Information von medizinischen Laien zu investieren, um die vorherrschende hohe aber unrealistische Erwartungshaltung der Öffentlichkeit an die Realität anzupassen. Korrespondenzadresse: Marcia Lew Medizinische Universität Graz 8010, Münzgrabenstraße 25 Email: lew.marcia@gmail.com
  • J. Grensemann, L. Eichler, S. Hopf, D. Jarczak, M. Simon, V. Fuhrmann, S. Kluge
    P15 Machbarkeitsstudie der optischen Kontrolle bei der perkutanen Dilatationstracheotomie mittels VivaSight-SL-Tubus
    Intensivmedizin
    Einleitung: Die perkutane Dilatationstracheotomie (PDT) ist eine bei langzeitbeatmeten Intensivpatienten häufig durchgeführte Intervention zur Erleichterung des Weanings. Üblicherweise erfolgt eine intratracheale, optische Kontrolle mittels Bronchoskop zur Verifizierung der Punktionshöhe sowie zur Vermeidung periinterventioneller Verletzungen wie z.B. der Trachealhinterwand. Bei der Bronchoskopie nimmt das Atemminutenvolumen häufig ab, daraus resultiert die Zunahme des Kohlenstoffdioxidpartialdruckes und die Gefahr einer Azidose. Die Verwendung eines VivaSightTM-SL-Tubus (VST, ETView Ltd., Misgav, Israel) mit integrierter Kamera ermöglicht eine kontinuierliche Darstellung der Trachea. Es wird untersucht, ob die optische Kontrolle bei der PDT mittels VST durchführbar ist. Methodik: Im Rahmen einer prospektiven Machbarkeitsstudie wurden zehn beatmete Intensivpatienten untersucht. Nach Umintubation erfolgte die PDT nach der Ciagla Blue Rhino®-Methode. Die Visualisierung der Leitstrukturen und die Beatmungsqualität vor und nach der Intervention wurden mittels einer nach Linstedt et al. [1] modifizierten Skala mit „sehr gut“ (1), „gut“ (2), „schwierig“ (3) oder „nicht möglich“ (4) bewertet. Arterielle Blutgasanalysen wurden vor Beginn der PDT, vor Hautinzision und nach Insertion der Trachealkanüle analysiert sowie Atemminutenvolumen, Blutdruck, Pulsoxymetrie und Kapnometrie aufgezeichnet. Ergebnisse: Die Visualisierung der anatomischen Strukturen und Beobachtung der Punktion und Dilatation wurde in allen Fällen, bis auf einen, mit „1“ oder „2“ beurteilt. In zwei Fällen war die Sicht auf die Tracheahinterwand „schwierig“. Zur Vermeidung von Komplikationen erfolgte einmalig der Wechsel zum Bronchoskop. Die Beatmungsqualität vor und während der Tracheotomie war „sehr gut“. Die respiratorischen Parameter und Blutgaswerte, sowie der Blutdruck veränderten sich zwischen Punktion und Insertion der Trachealkanüle nicht. Zusammenfassung: Der Einsatz des VST zur Visualisierung der anatomischen Strukturen während der PDT ist möglich. In einer weiterführenden prospektiven randomisierten Studie wird der VST mit der Bronchoskopie als Standardmethode verglichen. [1] Linstedt, U., et al., Laryngeal mask airway or endotracheal tube for percutaneous dilatational tracheostomy: a comparison of visibility of intratracheal structures. Anesth Analg, 2010. 110(4): p. 1076-82. Korrespondenzadresse Dr. Jörn Grensemann, D.E.S.A. Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Klinik für Intensivmedizin Martinistraße 52 20246 Hamburg j.grensemann@uke.de
  • M. Felten, L.G. Teixeira-Alves, C. Chaput, E. Letsiou, H. Müller-Redetzky, N. Suttorp, M. Witzenrath
    P16 The circadian rhythm regulates the severity of ventilator-induced lung injury
    Intensivmedizin
    Goal of the Study: Mechanical ventilation (MV) is a life-saving therapy for patients with acute respiratory distress syndrome (ARDS), however it can also exacerbate the pre-existing lung injury. This syndrome, known as ventilator-induced lung injury (VILI), is characterized by increased pulmonary permeability, inflammation and activation of the innate immune system [1]. Interestingly, recent studies have provided evidence that the circadian rhythm (CR) is an important regulator of the innate immune response in the lung [2]. As most ARDS patients undergo continuous therapeutic/nursing interventions, the disturbance of their CR might be a critical factor for their outcome. Whether the CR regulates the pathophysiology of ARDS/VILI is currently unknown. In this study, we explored the influence of CR in the development of murine VILI. Methods: VILI was induced by high tidal volume ventilation (HVt:34ml/kg, Inspiration:Expiration(I:E)-Ratio 1:2, 4h) as previously described [3]. For survival studies, high strain HVt ventilation (HVt:34ml/kg, I:E-Ratio 1:1) was used. MV was initiated at dawn (Zeitgeber time (ZT) 0) or at dusk (ZT12). To quantify VILI, lung compliance, pulmonary permeability, neutrophil recruitment, and markers of pulmonary inflammation were measured. Results and Discussion: Animals ventilated with HVt (I:E 1:2) at ZT0 showed higher inflammatory cytokine levels, slightly decreased lung compliance and increased number of neutrophils compared with the ZT12 group. By escalating the ventilation strategy (HVt 1:1), the differences were more evident. The injurious ventilation at ZT0 led to a significant worsening of oxygenation, decrease of pulmonary compliance and increase in the levels of pro-inflammatory cytokines compared to ZT12. Due to this massive inflammation, survival in the ZT0 group was significantly reduced whereas all animals ventilated at ZT12 survived the 4h of ventilation. Conclusion: Our results suggest that the time-of-day when mice undergo MV is a critical factor for the pulmonary immune response and determines the severity of VILI. Future studies may address whether prolonged day-time, frequently observed in ICUs, influences VILI. References: Slutsky A, Ranieri VM. Ventilator-induced lung injury. N Engl J Med. 2013; 369(22):2126-36. doi: 10.1056/NEJMra1208707. Scheiermann C, Kunisaki Y, Frenette PS. Circadian control of the immune system. Nature reviews Immunology. 2013; 13(3):190-198. doi:10.1038/nri3386. Müller-Redetzky HC, Felten M, Hellwig K, et al. Increasing the inspiratory time and I:E ratio during mechanical ventilation aggravates ventilator-induced lung injury in mice. Critical Care. 2015; 19(1):23. doi:10.1186/s13054-015-0759-2. Korrespondenzadresse: Matthias Felten Charité - Universitätsmedizin Berlin Medizinische Klinik m.S. Infektiologie & Pneumologie Charitéplatz 1 10117 Berlin E-Mail: Matthias.Felten@charite.de
  • J. Reiger (1), J. Hipfl (2), A. Hebenstreit, A. Oberbichler (3), R. Tarmann (4), P. Lind (5)
    P17 Therapierefraktärer kardiogener Schock als Erstmanifestation eines Phaeochromocytoms
    Intensivmedizin
    EINLEITUNG: Das Phaeochromocytom, erstmals beschrieben durch Felix Fränkel 1886 am Fall der 18 jährigen Minna Roll, ist ein Katecholamin – Noradrenalin und/oder Adrenalin sowie Dopamin - produzierender Tumor der chromaffinen Zellen des Nebennierenmarks. Hinweise für das Vorliegen geben konstante oder paroxysmale Hypertonie verbunden mit Cephalea, Schwitzen und Palpitationen (90% Sensitivität, 94% Sensibilität). Die Inzidenz der Neuerkrankungen beträgt 2/1.000.000 Personen/Jahr (Dänemark/Schweden 1988). Chromaffine Zellen finden sich zu 85% im Nebennierenmark, können jedoch auch im Zuckerkandl`schen Organ als auch in Ganglien und im Verlauf des Sympathischen Nervensystems vorkommen. Das Phaeochromocytom tritt isoliert oder im Rahmen des MEN II Syndroms und beim von-Hippel-Lindau Syndrom sowie Morbus Recklinghausen auf. Ein unbekanntes Phaeochromocytom stellt eine Bedrohung für Mutter und Kind während der Schwangerschaft und Geburt sowie bei Operationen dar. Obwohl selten stellt es eine der wenigen kurativen Möglichkeiten von Hypertonie dar. Wir berichten im Folgenden über eine 51 jährige Patientin die im Rahmen einer hypertensiven Entgleisung mittels Notarzt an die Notfallaufnahme eines peripheren Krankenhauses gebracht wurde. FALLBERICHT: Kurz nach Mitternacht wird das NEF für eine Rehabilitationspatientin angefordert. Es findet sich eine agitierte, schweißige Patientin, RR 240/125 mm Hg, HF 90-100/min. Die Patientin gibt an seit 2 Tagen nach Genuß von Fisch an Übelkeit und Erbrechen zu leiden. Derzeit hätte sie vor allem Kopfschmerzen und massive Übelkeit. Nach Gabe von insgesamt 4 Hüben Nitroglycerin Abfall des RR auf 170/110 mm Hg und problemloser Transport in die Notfallaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses. Nach Eintreffen in der Ambulanz RR gleichbleibend, unauffälliges EKG, die Laborparameter weitgehend bis auf eine Thrombocytose o.B., ein durchgeführtes Schädel CT zum Blutungsausschluß unauffällig. Anamnestisch Myocardinfarkt ein Jahr zuvor, eine invasive Abklärung wurde von der Patientin abgelehnt. In den Morgenstunden Verschlechterung des AZ, die Patientin nun hypoton und tachykard. im EKG Breitkomplextachykardie 160/min, die Versuche diese mittels Adenosin bzw. Ibutilide zu demaskieren/terminieren schlagen fehl. Haemodynamische Instabilität, mehrmalige Notfallkardioversion unter Sedoanalgesie erbringt Kammertachykardien mit Degeneration in Kammerflimmern. Defibrillation und Gabe von Amiodaron und Magnesium – Bradyarrhythmie mit gehäuften, polytopen VES und Zeichen des kardiogenen Schocks. Intubation, Versorgung mit passagerem PM sowie ZVK und arterieller line und Verlegung an die Intensivstation eines Schwerpunktkrankenhauses zur invasiven Abklärung trotz Intensivierung der Therapien ist eine Stabilisierung der Patientin nicht möglich, sodass die Patientin nach 24stündigen Aufenthalt verstirbt. Autoptisch findet sich ein bisher nicht bekanntes 55 mm im Durchmesser grosses Phaeochromocytoms der linken Nebenniere. Therapie mit Volumenloading und Dobutamin (10µg/kg/KG/min). Laborchemisch metabolische Acidose, sowie Hypoglykaemie, welche ausgeglichen werden. Haemodynamisch (PiCCo) findet sich ein Low-Output-High-Resistance-State (Tab. 1). Echokardiographie: Nicht dilatierter linker Ventrikel mit hochgradig eingeschränkter LV - Funktion, Verdacht auf Apexthrombus. Versuch die kardiale Performance zu verbessern mit Levosimendan, beginnend mit 0,1µg/kg/min ohne Bolus unter geringgradiger Noradrenalinunterstützung. Auf Grund der mittlerweile eingetroffenen Befunde Kontaktaufnahme mit dem nächstgelegenen Schwerpunkt KH mit der Möglichkeit zur weiteren diagnostischen und interventionellen Therapie. Dort mittels RTH-Transport eingetroffen, findet sich eine schwer im Schock, zentralisierte und fiebernde (40,3°C) Patientin, die trotz massiver Flüssigkeitssubstitution (Koloidal und Kristalloid bis zu 350ml/h) und hochdosierter Katecholamingabe (Noradrenalin 3,4mg/h, Adrenalin 1,0mg/h, Dobutamin 12,5µg/kg/min) nicht mehr zu stabilisieren ist. Auf eine invasive Abklärung wird auf Grund der Instabilität und der vorliegenden Laborparameter verzichtet. Die Patientin verstirbt nach mehrmaligen Arrhythmien und wiederholter CPR im kardiogenem Schock. Autoptisch findet sich ein 50 mm im Durchmesser großer Tumor der Nebenniere, mit Nekrosen und Einblutungen, Histologisch und Immunhistologisch als Phaeochromocytom identifiziert. LITERATUR: Bay V., Frahm H.: Endokrinologische Notfälle pp. 996-997 In: Lawin P. (Edit): Praxis der Intensivbehandlung Georg Thieme Verlag 1994 Bergland B.E.: Pheochromocytoma presenting as shock Amer. J. Emerg. Med. 7 (1989) pp.44 Bornstein St.: Phäochromocytom. In: Allolio B., Schulte H.M. (Edit):Praktische Endokrinologie pp. 266-272 Urban&Schwarzenberg 1996 Goldfien A.: Adrenal Medulla pp.391-399 In: Greenspan F.S. (Edit): Basic and Clinical Endocrinology Appleton&Lange 1991
  • M. Wewalka, M. Schmid, M. Schneeweiss, B. Seeland, C. Zauner
    P18 Der körpergewichts-adaptierte Grundumsatz kritisch Kranker verringert sich mit zunehmendem Alter
    Intensivmedizin
    Zielsetzung: Es ist bekannt, dass der Grundumsatz (REE) bei Gesunden mit dem Alter abnimmt. Ziel dieser Studie, ist es, herauszufinden, ob das auch für internistische Intensivpatienten zutrifft. Methode: Bei 200 internistischen Patienten mit mechanischer Beatmung wurde eine indirekte Kalorimetrie zur Erhebung des REE durchgeführt. Diese Untersuchung fand innerhalb von 72h nach Aufnahme auf der Intensivstation, nach einer nächtlichen Fastenperiode, statt. Der REE wurde an das jeweilige Körpergewicht adaptiert (REEaKW). Die Patienten wurden dem Alter nach in Quartilen eingeteilt (I: 18-35 Jahre, n=21; II: 36-52 Jahre, n=43; III: 53-69 Jahre, n=93; IV: 70-86 Jahre, n=43). Geschlecht, SAPS II Score, Körpertemperatur zum Zeitpunkt der Intervention, Größe, Gewicht und BMI wurden eruiert. Zum Gruppenvergleich wurde ein Kruskal-Wallis Test angewendet. Parameter, die in der univariaten Regressionsanalyse signifikant waren, wurden ins multivariate Modell aufgenommen. Ergebnisse und Diskussion: Die Gruppen waren unterschiedlich alt (P<0.01). SAPS II Score (P<0.01) und BMI (P=0.01) stiegen mit dem Alter an. Die Körpertemperatur war in der jüngsten Gruppe am höchsten (P=0.02). REE war in allen Gruppen ähnlich (I: 1927 (1489-2289), II: 1767 (1413-2015), III: 1625 (1348-1819), IV: 1648 (1310-1843) kcal/Tag; P=0.09), wohingegen sich der REEaKW mit dem Alter signifikant verringerte (I: 27 (23.4-32), II: 21.4 (19.6-24.3), III: 20.9 (17.4-23.4), IV: 18.7 (16.7-22) kcal/kg/Tag, P<0.01). Im multivariaten Regressionsmodell mit REE als abhängige Variable und Alter, Größe, Gewicht, BMI, Körperoberfläche und Temperatur als unabhängige Variablen, waren lediglich Alter (R=-4.95 (95%CI -7.91 to -1.99, P=0.01)) und Köpertemperatur unabhängige Prädiktoren (R=108.64 (95%CI 69.03–148.24, P<0.01)). Mit REEaKW als abhängige Variable verblieben ebenso nur Alter (R=-0.99 (95% CI -0.14 bis -0.06), P<0.01) und Körpertemperatur (R=1.25 (95% CI 0.64-1.85, P<0.01) als unabhängige Prädiktoren im multivariaten Modell. Schlussfolgerung: Der körpergewichts-adaptierte Grundumsatz kritisch Kranker verringert sich mit dem Alter. Alter und Körpertemperatur sind unabhängige Prädiktoren von Grundumsatz und Körpergewichts-adaptiertem Grundumsatz im multivariaten Regressionsmodell.
  • M. Renzler, M. Joannidis
    P19 Vitamin-D-Mangel und Outcome bei IntensivpatientInnen
    Intensivmedizin
    Zielsetzung: Vitamin-D spielt eine essentielle Rolle im Knochenstoffwechsel, darüber hinaus vermutlich auch bei Infektionen, neurologischen, kardiovaskulären und respiratorischen Erkrankungen. Aufgrund rezenter Studien kristallisiert sich Vitamin-D-Mangel auch als Risikofaktor für erhöhte Morbidität und Mortalität von stationären Patienten heraus. Hinweise dafür gibt es auch für Intensivpatienten. In dieser Arbeit wird untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Spiegel und Mortalität oder Aufenthaltsdauer bei Intensivpatienten besteht. Methode: In dieser deskriptiven, retrospektiven Untersuchung wurden alle PatientInnen eingeschlossen, bei denen in einem Zeitraum von ca. 2 Jahren (November 2012 bis Januar 2015) bei Aufnahme an die ICU eine Bestimmung des Vitamin-D-Status erfolgte und welche das 18. Lebensjahr vollendet hatten. Ausschlusskriterien waren Mehrfachaufenthalte an der ICU und stationärer Aufenthalt an der Critical Care Unit. Zusätzlich wurden die Arztbriefe ausgewertet. Die statistische Signifikanz wurde mittels Chi–Quadrat-Test, Exakte Fisher-Test, Mann–Whitney–U-Test und Kruskal–Wallis-Test durchgeführt. Ergebnisse und Diskussion: 435 PatientInnen wurden in die Studie eingeschlossen, davon waren 38,20 % Frauen. Das mediane Alter war 65 Jahre, die häufigsten Diagnosen waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und respiratorische Insuffizienz. Der SAPS-Mittelwert war 68,14. Die Inzidenz des Mangels an 25-OH-Vitamin-D3 betrug 93,30 %, davon litten 23 % an einem schweren und 70,30 % an einem leichten Mangel. Die Inzidenz des Mangels an 1,25-Dihydroxy-Vitamin-D ergab 34,30 %. Die Aufenthaltsdauer an ICU und Klinik nahm mit steigenden Wert an 25-OH-Vitamin-D3 ab. PatientInnen mit Mangel an 1,25-Dihydroxy-Vitamin-D hatten längere Aufenthalte an ICU und Klinik als PatientInnen ohne Mangel. StudienteilnehmerInnen mit schwerem Mangel an 25-OH-Vitamin-D3 hatten eine höhere Gesamtmortalität (39 % vs. 26,80 % bei PatientInnen mit leichtem Mangel, p Wert 0,02). Schlussfolgerung: Bei IntensivpatientInnen steigt die Aufenthaltsdauer und Mortalität mit sinkendem Vitamin-D-Wert. Zur genaueren Untersuchung des Zusammenhangs sind weitere prospektive Studien notwendig. Literatur: Amrein K, Sourij H, Wagner G, Holl A, Pieber TR, Smolle KH, et al. Short-term effects of high-dose oral vitamin D3 in critically ill vitamin D deficient patients: a randomized, double-blind, placebo-controlled pilot study. Crit Care. 2011; 15(2):R104.
  • G. Gelbenegger, N. Buchtele, C. Schörgenhofer, M. Röggla, M. Schwameist
    P20 Severe hypernatraemic dehydration in a care-dependent inpatient receiving SGLT2 inhibitor therapy with empagliflozin: a case report
    Notfallmedizin
    Background. Inhibitors of sodium-glucose cotransporter 2 (SGLT2) have become an important treatment option for effective management of type 2 diabetes mellitus (1). Common side-effects of SGLT2 inhibitors include glucosuria-associated genital and urinary tract infections (2). Glucosuria-induced osmotic diuresis, however, may contribute to critical dehydration, particularly in patients who are unable to autonomously regulate their fluid intake. Yet, patient populations susceptible to volume depletion upon exposure to SGLT2 inhibitor therapy are poorly characterised by recent literature. We present a case of severe hypernatraemic dehydration following sustained iatrogenic glucosuria in a diabetic inpatient with newly initiated add-on antihyperglycaemic therapy with empagliflozin. The 66-year-old Caucasian male had recently suffered focal pontine stroke keeping him bedridden and necessitating intensified nursing care including assistance with drinking. Case presentation. On presentation the patient was stuporous (Glasgow Coma Scale 10), febrile (38.5°C) and appeared severely dehydrated. Initial studies showed hypernatraemia (164mmol/l), hyperglycaemia (322mg/dl), a urine glucose level of 3335mg/dl, and acute kidney failure (35ml/min/1.73m2). Diagnostic work-up revealed that treatment with empagliflozin (10mg q.d.) had been started two weeks earlier to improve glycaemic control (HbA1c 8.1%). Upon cessation of empagliflozin exposure and administration of hypotonic fluids blood sodium levels decreased over following days, fever resolved, renal function recovered, and the patient regained consciousness. He was finally able to begin rehabilitative therapy and was discharged forty days after admission. In this care-dependent inpatient, who lost the ability to replace water losses autonomously because of stroke, continuous administration of empagliflozin caused persistent glucosuria and contributed to progressive volume depletion. Excessive dehydration resulted from ignorance of both at-risk populations susceptible to dehydration under SGLT2 inhibitor therapy and the drug’s mechanism of action, as well as from consequent failure to continuously monitor the patient’s volume status. Conclusions. This report aims to raise awareness for dehydration as potentially serious complication of SGLT2 inhibitor therapy in susceptible patients. This may include bedridden patients who depend on others support in daily tasks including fluid intake, patients with an impaired sense of thirst and those who lost the ability to communicate thirst. Those patients may (temporarily) not be suitable for initiation of antidiabetic treatment with an SGLT2 inhibitor. References. 1. Zinman B, Lachin JM, Inzucchi SE. Empagliflozin, Cardiovascular Outcomes, and Mortality in Type 2 Diabetes. The New England journal of medicine. 2016;374(11):1094. 2. Trujillo JM, Nuffer WA. Impact of Sodium-Glucose Cotransporter 2 Inhibitors on Nonglycemic Outcomes in Patients with Type 2 Diabetes. Pharmacotherapy. 2017. Corresponding Author. Dr. Michael Schwameis Department of Emergency Medicine Medical University of Vienna Waehringer Guertel 18-20, A-1090 Vienna, Austria Email: michael.schwameis@meduniwien.ac.at