Postersession 5

  • G. Woebker, S. Wagner, E. Rieke, Medusa Studiengruppe
    P41 Optimierung der frühzeitigen Primärversorgung von septischen Patienten durch Schulung und Einführung einer Sepsis Checkliste
    Intensivmedizin
    Fragestellung: Lässt sich die Primärversorgung von septischen Patienten durch Schulung und Einführung einer Seppsis Checkliste verbessern in Bezug auf die Schnellere Diagnosestellung, schnelleren Therapiebeginn, bessere Diagnostik (Blutkulturen, Fokussicherung), bessere Therapiesteuerung (gezielte Antibiotika-Deeskalation) und im Hinblick auf das Überleben an Tag 28 mit Hilfe eines cluster randomized trials. Methode: Vergleich der gewonnenen Daten des HKW (Helios Klinikum Wuppertal) mit den Daten der an der Studie beteiligten 42 Zentren. Die Zentren wurden 1:1 in eine Kontrollgruppe und in eine Interventionsgruppe randomisiert. Das HKW war zunächst der Kontrollgruppe zugehörig (1.7.2011 bis 30.06.2013) in der alle Patienten mit einer Sepsis plus Organdysfunktion erfasst wurden die auf der Intensivstation behandelt wurden. Ausgeschlossen wurden Patienten deren Therapie schon in einem anderen KH begonnen wurde oder Patienten die nur auf den Normalstationen behandelt wurden. Die Studie war von der lokalen Ethikkommission befürwortet worden. Ab dem 01.09.2013 bis Ende 2015 war das HKW der Interventionsgruppe zugehörig. In der Kontrollgruppe wurde 2mal jährlich eine Fortbildung zum Thema Sepsis gehalten, ansonsten konnten die Leitlinien im Intranet nachgelesen werden. In der Interventionsgruppe wurde zusätzlich zu den Maßnahmen in der Kontrollgruppe ein Changeteam gebildet bestehend aus erfahrenen Intensivärzten und –pflegern und Mitarbeitern des Notfallzentrums. Es erfolgten nach Schulung des Changeteam insgesamt 10 Schulungen der beteiligten Abteilungen unter Zuhilfenahme von einer Sepsischeckliste und Kittelkarten sowie Postern für die Normalstationen und das Notfallzentrum. Die Datendokumentation erfolgte in einer elektronischen CRF – Datenbank (Open-Clinica®). Der primäre Endpunkt der Studie war die 28-Tage Mortalität der beiden Gruppen, spezielle für das HKW auch der Vergleich mit den übrigen an der Studie beteiligten Zentren. Sekundäre ausgewertet wurden die Häufigkeit der Abnahme der Blutkulturen und die Adäquatheit der ersten Antibiose, sowie Eskalation und Deeskalation und die Dauer der Antibiose. Ergebnisse: Insgesamt wurden vom HKW 107 Patienten in die Oberservations-, bzw. Kontrollgruppe eingeschlossen und 137 Patienten in die Interventionsgruppe. Die Zeit bis zur Gabe des Antibiotikums lag in der Kontrollgruppe bei 122 min, in der Interventionsgruppe bei 132 min. Erkennbar in den Daten ist aber eine nicht statistisch signifikante Reduktion der Zeit über die Dauer der Intervention. Wenn die Ausreißer in der Zeitangabe ausgeschlossen werden (Zeit > 1000min) wurde die Zielvorgabe von 60 min am Ende des Interventionszeitraumes erreicht. Wenn die Daten aufgesplittert werden nach Ort der Verabreichung des Antibiotikums weicht die Normalstation am weitesten vom vorgegebenen Ziel ab. Klar erkennbar ist eine deutliche Verbesserung der Zeiten der Erstgabe auf den Intensivstationen bei den nosokomialen Infektionen während der Interventionszeit. Das primäre Ziel der Reduktion der 28-Tage Mortalität wurde erreicht. In der Kotrollgruppe zeigt sich für das HKW eine Mortalität von 24%, in der Interventionsgruppe lag diese bei 17%. Im Vergleich zu den restlichen Zentren wies das HKW die drittniedrigste Mortalitätsrate auf. Die Anzahl bzw. der Prozentanteil an Blutkulturen konnte deutlich gesteigert werden. In der Kontrollgruppe wurde bei 27% keine BK (Blutkultur) abgenommen, bei 42% eine BK und bei 38% 2 BK. Nach der Intervention wurde bei 83% der Patienten eine BK abgenommen, bei 52% 2 BK. In 57% der Fälle war die BK mit positivem Pathogennachweis, in 30% negativ und in 9% der BK fand sich eine Verunreinigung. In mehr als 80% war der Erreger sensibel auf die erste verabreichte Antibiose, in 27% der Fälle erfolgte in den ersten 5 Tagen eine Deeskalation, in 26% erfolgte eine Erweiterung der Therapie und nur in 4o% der Fälle erfolgte keine Änderung. Im Vergleich zu den übrigen Zentren erfolgte im HKW deutlich häufiger eine Deeskalation (27% versus 10%). Die Dauer der Antibiose betrug im Median 4,5 Tage und war damit die kürzeste Zeit innerhalb aller an der Studie teilnehmenden Zentren. Fazit: Einfache Maßnahmen (z.B. Einführung eines Schulungsprogrammes) erhöhen die Sensibilität gegenüber der Sepsis‐Therapie im klinischen Alltag. Auch wenn die Dauer der Zeit bis zur ersten Antibiotikagabe nicht verkürzt werden konnte wurde durch ein deutlich erhöhter Prozentsatz an Blutkulturen erreicht, die Deeskalation der primär verabreichten Antibiose lag deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtheit der beteiligten Häuser und die 28 Tage Mortalität konnte durch die Intervention von 24% auf 17% gesenkt werden. Da jedoch aufgrund von Problemen in der genauen Zeitdokumentation der ersten Antibiose und dem Auftreten der Sepsis und der Diagnose noch Ungenauigkeiten liegen sind weitere Untersuchungen zur Verifizierung erforderlich.
  • S. David, H. Knaup, M. Hoeper, J.T. Kielstein
    P42 Therapeutischer Plasmaaustausch als additive Rescue-Strategie im refraktären septischen Schock
    Intensivmedizin
    Zielsetzung: Sepsis ist eine lebensbedrohliche Wirtsreaktion auf eine Infektion mit einer sehr hohen Letalität (bis zu 60%). Das Multiorganversagen und letztlich der Tod des Patienten ist dabei pathophysiologisch eine Folge der systemischen Überreaktion, nicht der Infektion per se. Neben Fokussanierung und anti-infektiver Therapie gibt es keine spezifische Behandlungsoption. Die Rationale eines therapeutischen Plasmaaustauschs (TPE) als Add-on Behandlung ergibt sich aus 1) einer nicht-selektiven Elimination erhöhter pro-inflammatorischer Zytokine und schädigender Mediatoren, sowie 2) dem gleichzeitigen Ersatz von verbrauchten protektiven Faktoren (z.B. vWF-spaltende Proteasen), welche die Mikrozirkulation maßgeblich kontrollieren. Wir stellen hier die ersten Pilot-Ergebnisse einer geplanten nationalen multizentrisch randomisierten Studie (EXCHANGE) vor. Methode: Bisher wurden 13 Patienten mit akutem (<12h) refraktärem septischem Schock (Arterenol > 0.4 ug/kg/min) eingeschlossen und erhielten innerhalb von 4h eine additive TPE zur üblichen Standarttherapie. Neben 28-Tage Mortalität wurde verschiedene klinische und laborchemische Parametern longitudinal evaluiert. Analog wurden serielle Plasmaproben zur ex-vivo Analytik im Kontext der endothelialen Permeabilitätsstörung (Immunfluorenzfärbungen von mit Patientenplasma stimulierten Endothelzellen (EZ), und transendotheliale Echtzeit-Widerstandsmessung (TER)) entnommen. In vivo wurde die Mikrozirkulation sublingual am Patientenbett mittels moderner Videomikroskopischer Kamera Technologie (GlycoCheck®) untersucht. Ergebnisse: Die Patienten wiesen im Durchschnitt einen APACHE II Score von 37.6 +/- 4 entsprechend einer vorhergesagten adjustierten Mortalität von 88.95%. Die tatsächliche Mortalität lag jedoch fast 20% niedriger (i.e. 69.2%). Neben verschiedenen Trends (inklusive einer gebesserten Mikrozirkulation, Oxygenierung etc.) überzeugt vor allem die Reduktion des Arterenolbedarf im Rahmen der TPE (innerhalb von 2-3 Stunden) von 0.93 ± 0.46 auf 0.6 ± 0.26 ug/kg/min (p<0.001), bei gleichzeitig gebessertem MAD (63 ± 11 vs. 70 ± 9 mmHg, p=0.002). Eine Ex-vivo Stimulation von EZ mit septischem Plasma induziert binnen Minuten morphologisch (IF) und funktionell (TER) eine schwere Permeabilitätstörung, wohingegen Plasma der selben Patienten unmittelbar nach TPE die Gefäßbarriere nicht mehr stört (Abb. 1). Schlussfolgerung: Diese Pilotstudie unterstützt unsere Hypothese eines potentiellen Benefits einer additiven TPE Strategie besonders kranker Sepsispatienten in einem frühen Stadium. Die Untersuchung hebt zudem die Wichtigkeit einer kontrollierten Studie mit dem primären Endpunkt „Mortalität“ hervor, die wir nur gemeinsam im nationalen Verbund (Poweranalyse für 15 % reduzierte Mortalität: n=180 / Arm) realisieren können.
  • A.K. Brandtner, G.F. Lehner, S.J. Klein, M. Joannidis
    P43 Pro-coagulant effect of blood-borne tissue factor on the endothelium in severe inflammation
    Intensivmedizin
    Aim: Systemic inflammation triggers higher levels of tissue factor (TF) contributing to dysregulated haemostasis in patients with inflammatory syndromes. Microparticles (MP) can transfer their surface markers to cells remote to their cell of origin. Tissue factor (TF) can be detected on the surface of endothelial cells without the corresponding mRNA upregulation, suggesting that TF is conveyed by MP. The aim of this project is to test if MP derived from human primary blood cells can convey functionally active TF to endothelial cells and identify the cellular source of the most potent MP. Methods: MP were isolated from red blood cells, platelets and leukocytes of healthy donors. To model inflammation, MP from untreated cells versus TNFalpha stimulated cells were isolated after 3,6 and 24 hours. To test FX activation, human umbilical vein endothelial cells (HUVEC) were co cultured with cell specific MP for six hours and compared to a baseline value without MP. Functional TF was tested in an in vitro test system with endothelial cells by addition of FX, FVIIa and calcium ions, normalized to external FXa standard and reported as percentage of baseline FXa acivity. Functionally active TF was compared to total TF levels of harvested MP, supernatants and cell lysates. Results: Endothelial activation shows a 2-fold increase of FX activation. FX activation on HUVEC was elevated when incubated with MP from TNFalpha conditioned cells compared to MP from untreated cells. TF-specific FX activation was inhibited by anti CD142. Total TF levels were higher in isolated MP derived from TNFalpha treated cells, with leukocyte-derived MP showing the highest pro coagulant potential. Conclusion: This test system allows an in vitro evaluation of the interaction between MP and the endothelium upon an inflammatory stimulus. This is the first estimation of the procoagulant effect of MP directly on the endothelium in inflammatory processes. Correspondance: Anna Brandtner Division of Intensive Care and Emergency Medicine Department of Internal Medicine I Medical University Innsbruck Anichstrasse 35, 6020 Innsbruck anna.brandtner@tirol-kliniken.at
  • J. Reiger, F. Tatzber, G. Ziervogel, A. Oberbichler
    P44 Autoantikörper gegen oxidierte Low Density Lipoproteine (oLAb) und Procalcitonin (PCT) als Prognosemarker bei Sepsis und Systemic Inflammatory Response Syndrom (SIRS)
    Intensivmedizin
    Fragestellung: Ziel der Untersuchung war es die Rolle der Lipidperoxidation und Infektion im Rahmen akuter Sepsis bzw. SIRS zu bestimmen. Aus diesem Grund wurden Autoantikörper gegen oxidierte LDL (oLAb) als Marker für Lipidperoxidation und Procalcitonin (PCT) sowie C-reaktiven Protein (CRP) und Neopterin (NPT) als Entzündungsparameter gegennüber gestellt. Als klinischer Score wurden die Kriterien von R.C.BONE et al. sowie der APACHE II Score verwendet. Patienten: Insgesamt 25 Patienten mit Sepsis (n13, s.7, n.s.6) sowie SIRS (n12, s..7, n.s.5) wurden in die Studie eingeschlossen. Einschlußkriterien waren ein Mindestaufenthalt von 48 Stunden an der ICU sowie die Kriterien von R.C.Bone sowie J. Takala. Methoden und Ergebnisse: Die Bestimmung aller angeführten Laborparameter erfolgte täglich aus dem Patientenserum. Als klinischer Score wurde während der ersten 24 Stunden der APACHE II Score verwendet. Überlebende Patienten mit Sepsis zeigten deutlich ansteigende oLAb (p<0.001) sowie deutlich abfallende PCT, CRP und NPT Werte (p<0,001). Bei den verstorbenen Patienten fanden wir abfallende Werte von oLAb p<0,05) und Anstieg der Entzündungsparameter. Ein ähnlicher Effekt zeigte sich bei Patienten mit SIRS mit der Ausnahme, daß die überlebenden SIRS Patienten bezüglich den erhobenen Entzündungsparametern geringer gegenüber septischen Patienten waren. Konklusion: Auch wenn die Anzahl der Patienten als gering erscheint folgern wir dass sich oLAb gemeinsam mit den konventionellen Entzündungsparametern CRP, IL-6, PCT und Neopterin als brauchbarer Parameter für die Verlaufskontrolle von Sepsis/SIRS erscheint.
  • S.M. Geith, S. Schmoll, T. Zellner, C. Rabe, F. Eyer
    P45 Suizidale Ethylenglykolvergiftung mit atypischer Laborkonstellation
    Intensivmedizin
    Hintergrund: Folgender Fallbericht demonstriert eindrücklich, dass im Falle einer Ethylenglykolvergiftung „lehrbuchmäßige“ Laborkonstellationen - wie eine erhöhte Osmolalitätslücke oder die mikroskopische Detektion von Oxalatkristallen im Urin - differentialdiagnostisch hinweisgebend, keinesfalls jedoch als obligat anzusehen sind (1-3). Kasuistik: Die Verlegung des 31-jährigen Patienten auf unsere toxikologische Intensivstation erfolgte unter dem Verdacht auf suizidale Ethylenglykolintoxikation. Laborchemisch war eine schwere, therapierefraktäre metabolischer Azidose mit erhöhter Anionenlücke und akutem Nierenversagen führend. Der Patient war einen Tag zuvor nach Auffinden durch den Stiefsohn in somnolentem Zustand mit einer initialen GCS von 6 noch vom Notarzt schutzintubiert und in einem auswärtigem Krankenhaus aufgenommen worden. Zu Hause fand man eine halb leere Flasche eines Ethylenglykol-haltigen Frostschutzmittels. Zudem hatte der Patient im Vorfeld suizidale Gedanken geäußert. Im Urinsediment zeigten sich mit Ausnahme vereinzelter Oxalatkristalle im mitgebrachten Aufnahmeurin im weiteren Verlauf keine Oxalatkristalle. Ebenso bestand zu keinem Zeitpunkt eine erhöhte Osmolalitätslücke. Auch die Ethylenglykol-Serumkonzentration lag mit 312 mg/l lediglich im gering erhöhten Bereich. Intensivmedizinisch führten wir die bereits vom zuweisenden Haus initiierte Nierenersatztherapie zur Giftelimination bei gleichzeitig bestehendem oligurischen Nierenversagen sowie die Antidottherapie mit Ethanol i.v. fort. Bereits bei Übernahme imponierte eine diskrete Anisocorie mit computertomographischem Korrelat eines beginnenden Hirnödems. In der Folgenacht fielen beidseits weite, lichtstarre Pupillen mit erloschenen Cornealreflexen auf. Die veranlasste Computertomographie zeigte ein generalisiertes Hirnödem mit Zeichen der Mittelhirneinklemmung, so dass die Indikation zur dekompressiven Hemikraniektomie links mit Anlage einer externen Ventrikeldrainage gestellt wurde. Trotz Intervention entwickelte sich eine obere und untere Einklemmung. Unter Fortführung der intensivmedizinischen Maßnahmen wurde sechs Tage nach Übernahme der offizielle Hirntod diagnostiziert. Angesichts des Vorliegens eines Organspendeausweises wurde nach Rücksprache mit der Ehefrau am Folgetag eine Organexplantation durchgeführt. Diskussion: Somit unterstreicht unser Fallbericht angesichts ungewöhnlicher Laorkonstellation die Bedeutung der Anamnese und klinischen Präsentation bei der Diagnose der Ethylenglykolvergiftung. Schlussfolgerung: Obige Kasuistik einer suizidalen Ethylenglykolintoxikation veranschaulicht, dass ein entsprechender klinischer oder anamnestischer Verdacht auch bei Fehlen einer (möglicherweise durch eine länger zurückliegende Giftaufnahme bedingten) typischen Laboranalytik, die frühzeitige Einleitung einer adäquaten Therapie erfordert. Literatur: 1. Jacobsen D, McMartin KE. Methanol and ethylene glycol poisoning. Mechanism of toxicity, clinical course, diagnosis and treatment. Med Toxicol 1986; 1:309-34 2. Jacobsen D, Hewlett TP, Webb R, Brown ST, Ordinaro AT, McMartin KE. Ethylene glycol intoxication: evaluation of kinetics and crystalluria. Am J Med 1988; 84:145-52 3. Lynd LD, Richardson KJ, Purssell RA et al. An evaluation of the osmole gap as a screening test for toxic alcohol poisoning. BMC Emerg Med 2008; 8:5
  • D. Mydza, M. Rosner, G. Hinterholzer, S. Schmaldienst
    P46 Hyperthermer Parkinsonpatient mit Multiorganversagen: Hitzschlag DD Parkinson Hyperpyrexie Syndrom
    Intensivmedizin
    Hintergrund: Parkinsonpatienten sind aufgrund ihrer beeinträchtigten Thermoregulation besonders gefährdet einen non exertional heatstroke zu erleiden [1]. Zusätzlich besteht bei abruptem Absetzen, Therapieumstellung oder sehr unregelmäßiger Einnahme der Dopaminmedikation das Risiko eines neuroleptic malignant - like syndrome/parkinson hyperpyrexia syndrome [2 - 3]. Fallbericht: Ein 56 jähriger Mann wird 7/2016 in soporösem Zustand mit 42° Celsius Körperkerntemperatur an unserer Intensivstation aufgenommen. Vorbekannt sind ein Morbus Parkinson sowie ein Zustand nach Sinusvenenthrombose mit Einblutung links temporal. Laut Auskunft der Familie verlässt der Patient nur mehr selten seine Wohnung, unternimmt jedoch am Tag vor der Aufnahme einen längeren Spaziergang bei 34° C Außentemperatur. Bei fehlenden Schutzreflexen wird der Patient schutzintubiert und die Körpertemperatur mit kalten Infusionslösungen und kontrollierter Oberflächenkühlung (Arctic sun®) gesenkt. Aufgrund einer suspizierten Aspiration wird eine antibiotische Therapie mit Ampicillin/Sulbactam begonnen. Trotz der raschen Intervention entwickelt sich ein MOV mit ANV bei Rhabdomyolyse (Kreatinkinase 30716 U/l), Leberversagen (Bilirubin 13,9 mg/dl, GOT 6467 U/l, GPT 3802 U/l, Gamma - GT 726 U/l, Alkalische Phosphatase 372 U/l) und disseminierter intravasaler Koagulopathie (Prothrombinzeit 17%, INR 4,2, aPTT 63,5 sec, Fibrinogen 1,2 g/l, ATIII 38,9%, D – Dimer > 33,10 mg/l, Thrombozyten 19 G/l). Sonographisch sind Pfortader und Lebervenen gut perfundiert, in der Computertomographie zeigen sich lediglich das vorbekannte cerebrale Defektareal und zwei kleine Nierenzysten. Die Liquordiagnostik bleibt abgesehen von einer unspezifischen Proteinerhöhung unauffällig. Aufgrund des Leberversagens und im weiteren Verlauf nicht sicher auszuschließenden Lungeninfiltraten wird die antibiotische Therapie auf Cefipim umgestellt. Unter supportiver Therapie kommt es zu einer langsamen Normalisierung der entgleisten Laborparameter. Schließlich kann der Patient am Tag 9 erfolgreich extubiert und zur weiteren Rehabilitation an die neurologische Abteilung transferiert werden. Diskussion: Die endgültige Diagnose bleibt schlussendlich offen. Sowohl ein Hitzschlag - Aufenthalt im Freien bei 34°C - als auch ein Parkinson Hyperpyrexie Syndrom - schwer einstellbarer Parkinson mit unregelmäßiger Medikamenteneinnahme - kommen bei unserem Patienten differentialdiagnostisch in Betracht. Schlussfolgerung: Bei jedem Patienten unter dopaminerger Medikation mit hohem Fieber muss nach Ausschluss eines Infektes an ein Parkinson Hyperpyrexie Syndrom gedacht und die dopaminerge Therapie unverzüglich fortgesetzt werden [3]. Abschließend wollen wir nochmals auf das erhöhte Hitzschlagrisiko für Parkinsonpatienten hinweisen. Literatur: Yamashita S, Heatstroke in patients with Parkinson`s disease, Neurol Sci. 2012 Jun;33(3):685 - 7 Dong Hun Lee, Malignant Syndrome in Parkinson`s disease similar to severe infection, Korean Journal of Critical care Medicine, 2016; kjccm.2016.00087 Grander W, Maligne hypertherme Syndrome auf der Intensivstation, Medizinische Klinik, Intensiv und Notfallmedizin, Juni 2016, 417 - 423
  • E. Sahin, F. Rehder, C. Byhahn, P. Lebiedz
    P47 Inverse TakoTsubo-Kardiomyopathie bei Subarachnoidalblutung in der 35. SSW
    Intensivmedizin
    Einleitung: Die Tako-Tsubo Kardiomyopathie (TCM) ist eine Stress-assoziierte kardiale Pumpfunktionsstörung, die auch bei schwangeren Patienten beschrieben wurde und als seltene Komplikation nach Sectio auftreten kann. Im Rahmen von Subarachnoidalblutungen wurde das Auftreten einer TCM beobachtet. Differentialdiagnostisch muss bei kardialer Dekompensationen während einer Schwangerschaft auch eine peripartale Kardiomyopathie (PPCM) in Betracht gezogen werden. Fallbericht: Initial wurde eine ansonsten gesunde 21-jährige Patientin in der 35. Schwangerschaftswoche (SSW) mit einer Occulomotoriusparese aufgrund einer geringen Subarachnoidalblutung (SAB, Hunt und Hess 1) bei rupturiertem Aneurysma der A. communicans posterior vorstellig. Bereits wenige Stunden nach Aufnahme entwickelte sich eine plötzliche Vigilanzminderung mit respiratorischer Insuffizienz und schließlich ein kardiogener Schock. CT-morphologisch konnten eine Progredienz der SAB und eine Lungenarterienembolie ausgeschlossen werden. Zeitnah wurde die Indikation zur Notsectio gestellt. Im Operationsaal erfolgte parallel eine transösophageale Echokardiographie, die den Nachweis einer massiv eingeschränkten linksventrikulären Funktion (Ejektionsfraktion 15%) mit ausgeprägter basaler Hypokinesie bei regelrechter apikaler myokardialer Kontraktilität des linken Ventrikels erbrachte. Des Weiteren bot sich eine schwere Mitral- und eine mittelgradige Trikuspidalklappeninsuffizienz. Anhand dieser Befunde tat sich der dringende Verdacht auf eine SAB-induzierte reverse Tako-Tsubo Kardiomyopathie auf, so dass die Inotropika umgehend abgesetzt wurden. Im Anschluss an die Notsectio konnte das cerebrale Aneurysma komplikationslos endovaskulär gecoilt werden. Das postoperative 12-Kanal EKG bot keine Zeichen myokardialer Ischämie. Labortechnisch konnte eine TroponinT Aktivierung bis zu einem Höchstwert von 0,981 ng/ml (Referenzbereich <0,014 ng/ml) bei einer maximalen CK von 257 U/l mit CK-MB Anteil von 128 U/l detektiert werden. Die transthorakale echokardiographische Verlaufskontrolle nach 24 Stunden erwies bereits eine merklich gebesserte Ejektionsfraktur. An Tag 2 nach Sectio konnte die Patientin extubiert werden und zeigte sich neurologisch abgesehen von der vorbekanten Occulomotoriusparese unauffällig. Am 7. Tag nach Aufnahme zeigte sich echokardiographisch eine Normalisierung der LV-Funktion ohne Nachweis einer Mitralklappeninsuffizienz. Diskussion: Ursächlich für eine akute kardiale Dekompensation während einer Schwangerschaft kann unter anderem die peripartale Kardiomyopathie (PPCM) sein. In unserem berichteten Fall deutete die klassische Kontraktionsstörung und die vorangegangene Subarachnoidalblutung sowie die TroponinT-Aktivierung auf eine inverse Tako-Tsubo Kardiomyopathie hin. Diesen Verdacht untermauerte die zügige und vollständige myokardiale Erholung binnen einer Woche.
  • F. Edsperger, Ch. Diestinger, Z. Meliskova, R. Nourafza
    P48 Akuter Thoraxschmerz - eine seltene Differentialdiagnose
    Notfallmedizin
    Hintergrund: Der akute Thoraxschmerz ist im Rettungsdienst eines der häufigsten Meldebilder. Neben den gängigen Differentialdiagnosen wie Akutes Koronarsyndrom gibt es auch sehr ungewöhnliche Erkrankungen, die einer schnellen Diagnostik und Therapie bedürfen, die aber leider aufgrund ihres seltenen Auftretens oft nicht zeitnah erkannt werden. Wir berichten von einer seltenen spinalen Blutung, die sich initial als akuter Thoraxschmerz manifestierte. Fallbericht: Bei einem 69-jährigen Patienten bestehen seit ca. zwei Stunden paravertebrale sowie retrosternale Schmerzen mit geringem Taubheitsgefühl peripher in beiden Armen. Die Vitalparameter zeigen eine hypertensive Entgleisung bei unauffälligem EKG. Bei Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom wurde der Patient vom Notarzt u.a. mit ASS und Heparin versorgt. Bei Z.n. TBVT nimmt der Patient Marcumar ein. In der initialen Diagnostik kann eine Akutpathologie ausgeschlossen werden, der Patient entwickelt jedoch kurzfristig eine progrediente aufsteigende Lähmung. Der Verdacht auf eine spinale Blutung kann im MRT der HWS bestätigt werden. Nach Versorgung auf unserer Intensivstation (Optimierung Gerinnung, Schmerztherapie, Schutzintubation) wird der Patient an ein überregionales Zentrum zur operativen Versorgung verlegt. Nach im Verlauf erfolgter Rehabilitation bei persistierender Querschnittssymptomatik lebt der Patient wieder zu Hause, ist aber aufgrund der bestehenden Tetraparese auf eine umfassende Betreuung angewiesen. Diskussion: Die spontane spinale Blutung unter oraler Antikoagulation tritt extrem selten auf, bei begleitenden neurologischen Auffälligkeiten im Rahmen eines akuten Thoraxschmerz muss daran gedacht werden. Eine unmittelbare Diagnosefindung ist entscheidend, um das Outcome der Patienten zu verbessern. Die operative Dekompression mit Entlastung der nervalen Strukturen ist die Therapie der Wahl. Schlussfolgerung: Der Fallbericht zeigt, dass wir in der Akutversorgung unserer Patienten auch mit seltenen Erkrankungen rechnen und deshalb bereits als Notärzte unser Bewusstsein dafür schärfen müssen. Literatur: Marhold F, Berger-Brabec S. Spontane spinale Hämatome. J Neurol Neurochir Psychiatr 2013; 14(1), 34-37. Yabe H, Ishii A, Niikawa N, Matsubayashi H, Kakei M, Kawakami M, Sugawara H. An elderly patient who developed spontaneous spinal epidural hematoma during warfarin therapy. Intern Med 2012; 51(11), 1429-32. Florian Edsperger Innstrasse 76 94032 Passau florian.edsperger@klinikum-passau.de
  • E. Moresco, U. Harler, M. Joannidis
    P49 NGAL, UMOD and IL-19 as potential biomarkers for sepsis induced AKI
    Intensivmedizin
    Introduction: Sepsis-induced acute renal injury (SAKI) is associated with high mortality despite adequate therapy (1). To recognize acute renal failure as early as possible,biomarkers are needed. They should indicate renal damage before serum creatinineincreases and/or the urine output decreases (2). Methods: The goal of this prospective observational study at the Department of Intensive Care Unit in Innsbruck was to evaluate different biomarkers like NGAL (neutrophil gelatinase-associated lipocalin), uromodulin and IL-19 for SAKI. For this purpose, serum and urine samples from 32 critically ill patients were collected over 7 consecutive days dating back in 2011 and 2012. We analyzed 3 groups consisting of patients without sepsis (cohort I), patients with sepsis but no AKI (cohort II) and with SAKI (cohort III). The collected data were compared between the cohorts using mixed models analysis. A p - value < 0.05 was considered as statistically significant. The focus was on the rise of biomarkers 24 hours before, during and 48 hours after the outbreak of SAKI. The values of patients who developed SAKI were compared with those of the comparative cohorts (cohort I and II) to detect possible signs of SAKI. Results and discussion: NGAL in serum and urine of patients with SAKI showed significantly higher values compared to both comparison groups (p = 0.00; p = 0.02). A tendency to higher serum concentrations of uromodulin was observed in the SAKI cohort compared to cohorts I and II (p = 0.04; p = 0.00). The measured concentrations of IL-19 in the urine was significantly higher in patients with SAKI than cohort I (p = 0.01). No statistically significant difference between the SAKI group and the comparison cohorts could be found for IL-19 in serum and uromodulin in urine. Normalization of urinary biomarkers to creatinine did not provide any improvement in performance. Table 1: median and confidence interval (CI 95 %) of the biomarkers measured during the first day of the AKI diagnosis (s = serum, u = urine) Conclusion: NGAL in serum and urine, IL-19 in urine and serum-uromodulin were significantly increased during SAKI, suggesting their possible key role as predictive biomarker. Further investigations with larger patient numbers are needed to reevaluate these results. References 1. Singbartl K, Kellum JA. AKI in the ICU: definition, epidemiology, risk stratification, and outcomes. Kidney Int. 2012; 81(9):819–25. 2.Cruz DN, Goh CY, Haase-Fielitz A, Ronco C, Haase M. Early biomarkers of renal injury. Congest Heart Fail. 2010;16 Suppl 1:S25-31.